Kardiovaskuläre Risikofaktoren
Was ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor?
Es handelt sich um ein individuelles Merkmal, aufgrund dessen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass eines Tages eine kardiovaskuläre Erkrankung entsteht bzw. ein kardiovaskuläres Ereignis eintritt.
Risikofaktoren wurden anhand von epidemiologischen Untersuchungen identifiziert. In solchen Studien wurden die Lebensführung (Rauchen, Sport, Ernährung) und der Gesundheitszustand (Körpergewicht, Blutdruck, Cholesterin, Herzfrequenz) sehr vieler Personen mit einem Fragebogen und medizinischen Untersuchungen erfasst. Diese Personen wurden dann mehrere Jahre lang beobachtet, um zu sehen, wie sich das Wohlbefinden bei diesen Patienten verändert. Daher liegen genaue Informationen über den Verlauf im Hinblick auf den Gesundheitszustand und die Lebensführung von Personen mit einem kardiovaskulären Ereignis im Vergleich zu Personen ohne ein solches Ereignis vor. Auch der unterschiedliche Verlauf bei Rauchern gegenüber Nichtrauchern, bei Übergewichtigen gegenüber Schlanken usw. kann verglichen werden.
Diese Faktoren können dann zur Vorbeugung möglicher kardiovaskulärer Ereignisse frühzeitig berücksichtigt und so weit wie möglich beeinflusst werden; dies wird als kardiovaskuläre Prävention bezeichnet.
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
Einige Faktoren sind nicht zu beeinflussen, wie zum Beispiel bestimmte vererbare Merkmale.
Gegen manche Faktoren können Sie nichts tun:
Ihr Alter: Je älter Sie werden, desto höher ist Ihr Risiko. Bei Frauen steigt das Risiko insbesondere nach der Menopause stark an.
Ihre familiäre Vorbelastung: Wenn Ihre Eltern, Großeltern oder Brüder und Schwestern in relativ jungem Alter (vor 55 bei Männern und vor 65 bei Frauen) ein kardiovaskuläres Ereignis hatten, haben Sie selbst ein höheres Risiko für ein solches Ereignis.
Beeinflussbare Risikofaktoren
Zwei dieser Risikofaktoren können Sie fast ohne medizinische Hilfe oder alleine beeinflussen:
Rauchen: Rauchen erhöht Ihr Risiko erheblich (nicht nur für ein kardiovaskuläres Ereignis, sondern auf für Lungenkrebs, Mund- oder Kehlkopfkrebs, Gebärmutterhalskrebs oder Blasenkrebs).
Bewegungsmangel: Menschen, die sich regelmäßig körperlich bewegen und zum Beispiel mindestens einmal die Woche einen schnellen Spaziergang machen, haben eine höhere Lebenserwartung als "Bewegungsmuffel".
Zur Senkung der anderen beeinflussbaren Risikofaktoren benötigen Sie die Hilfe Ihrer Ärztin/Ihres Arztes:
- Bluthochdruck
Liegt der Blutdruck über einem gewissen Grenzwert (≥ 140/90 mmHg), liegt ein Bluthochdruck, eine sog. Hypertonie, vor. Je nach Blutdruckwerten kann durch eine Änderung der Lebensweise versucht werden, die Werte zu senken. Wenn dies jedoch nicht möglich ist oder keinen Erfolg gebracht hat, ist eine Behandlung mit Blutdruckmedikamenten erforderlich. - Diabetes mellitus
Der Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist ein sehr bedeutsamer Risikofaktor für die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen. Hier liegt der Grenzwert für Bluthochdruck beispielsweise schon bei 130/80 mmHg.
Es wird der Typ-1-Diabetes unterschieden vom sog. Typ-2-Diabetes, der auch Altersdiabetes genannt wird und häufiger vorkommt. Die Zuckerkrankheit fördert die Entstehung von Gefäßschädigungen, die dann in Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) übergehen können. In der Folge kann dies zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Blutzucker optimal eingestellt wird. Je nach Diabetes-Typ und Ausprägung der Erkrankung kann dies mittels Ernährungsumstellung, Tabletten oder auch Insulinspritzen geschehen. - Adipositas
Übergewicht (Adipositas) ist ein häufiger Risikofaktor in der heutigen Wohlstandsgesellschaft geworden. Er trägt zur Zunahme von kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) bei.
Eine Möglichkeit, das Übergewicht zu bestimmen, ist der sog. Body-Mass-Index (BMI). Dieser wird ermittelt durch folgende Formel: BMI = Körpergewicht (kg)/Körpergröße (m2). Liegt der BMI über 25, liegt laut Definition bereits Übergewicht vor.
Durch regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung lässt sich Übergewicht reduzieren. Wenn Sie trotz eigener Versuche bei einem BMI > 25 noch keinen Erfolg bei der Gewichtsreduktion hatten, sprechen Sie Ihren Arzt an.
Erhöhte Cholesterinwerte
In epidemiologischen Untersuchungen wurden die schädlichen Wirkungen erhöhter Cholesterinspiegel eindeutig nachgewiesen. Das Risiko kardialer Ereignisse steigt entsprechend der Höhe des Cholesterinblutspiegels, wenn dieser über 1,8 bis 2 mg/dl liegt. Bei einem erwachsenen Mann steigt das Risiko für ein kardiales Ereignis bei einem Cholesterinspiegel über 10 % des Normalwertes um 30 % an. Manchmal muss ein vollständiges Lipidprofil gemacht und nicht nur der Gesamtcholesterinspiegel bestimmt werden. Die Interpretation eines solchen Profils ist komplex. Das Lipidprofil setzt sich aus den Werten vier verschiedener Blutfette zusammen: LDL-Cholesterin ("schlechtes" Cholesterin), HDL-Cholesterin ("gutes" Cholesterin), Gesamtcholesterin und Triglyzeride. Wenn diese Werte krankhaft verändert sind, muss die Ärztin/ der Arzt die Ernährung und Behandlung des betreffenden Patienten entsprechend abstimmen, häufig wird auch ein/e Diätassistent/in hinzugezogen.- Herzfrequenz (Puls)
Der Puls pro Minute (= Herzfrequenz) ist sehr einfach zu bestimmen. Man kann ihn selber am Handgelenk fühlen, am besten nach einer Ruhepause von 5–10 Minuten. Besonders bei Patienten, die schon verengte Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit = KHK) aufweisen, ist die Herzfrequenz, die in Ruhe gemessen wird, ein wichtiger Risikofaktor. Je höher die Ruhe-Herzfrequenz, desto größer ist die Gefahr von Komplikationen, wie z. B. Herzinfarkt. Beim Gesunden liegt die Ruhe-Herzfrequenz normalerweise bei 60–80 Schlägen/Minute. Bei Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit = KHK) soll der Puls nach den aktuellen Leitlinien bei 55–60 Schlägen/Minute liegen. Dies kann mithilfe von verschiedenen Medikamenten erreicht werden. Sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt an, wenn Ihre Werte höher liegen.
Mehr Informationen zu einem gesunden Puls finden Sie auch unter: www.pulsgesund.de