Hintergründe zur arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck)
Was ist eine arterielle Hypertonie bzw. ein erhöhter Blutdruck?
Das gesunde menschliche Herz schlägt normalerweise mit einer Frequenz von 60 - 80 Schlägen in der Minute. Mit jedem Herzschlag wird das Blut unter Druck aus dem Herzen in das arterielle Blutgefäßsystem gepumpt. Die zuerst großen Blutgefäße, oder auch Schlagadern genannt, verzweigen sich peripher des Herzens in immer kleinere Äste und gehen schließlich in den Organen in sehr feine Blutgefäße, die sog. Kapillaren, über.
Besonders die kleineren Gefäße stellen für den Blutstrom einen Widerstand dar, sodass für einen ausreichenden Blutfluss immer ein ausreichender Druck gewährleistet sein muss. Genau dieser Druck wird durch die dauernde Pumparbeit des Herzens erzeugt.
Von welchen Faktoren ist der Blutdruck abhängig?
Der Blutdruck ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und ändert sich im Laufe eines Tages durch unterschiedliche Einflüsse:
er sinkt normalerweise bei seelischer und körperlicher Ruhe
er steigt bei psychischer Erregung und körperlicher Anstrengung
niedrigere Blutdruckwerte liegen normalerweise während des Schlafens, v. a. in den sehr frühen Morgenstunden vor.
hohe Blutdruckwerte werden bei starker körperlicher Belastung oder starkem psychischen Stress v. a. tagsüber erreicht.
die unterschiedlichen Blutdruckwerte im Tagesverlauf sind normal und Folge einer Anpassung des Herz-Kreislaufsystems aufgrund verschiedener körpereigener Faktoren und Umwelteinflüsse.
Ist der Blutdruck durchgehend und unabhängig von einer körperlichen oder seelischen Belastungssituation erhöht, liegt die Diagnose eines erhöhten Blutdrucks bzw. einer arteriellen Hypertonie vor.
Wie ist der Bluthochdruck definiert?
Normale und erhöhte Blutdruckwerte nach der Klassifikation der ESH/ESC 2006:
Nach dieser Definition liegt die obere Grenze des normalen Blutdrucks somit bei 130/85 mmHg.
Ein stets kontrollbedürftiger Grenzbereich findet sich zwischen Werten von 130/85 und 140/90 mmHg. Bei Werten in diesem Bereich in Ruhe sollten häufigere Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden.
Ein definitiv erhöhter Blutdruck bzw. eine arterielle Hypertonie liegt bei Werten ab 140/90 mmHg vor.
Welche Ursachen gibt es für einen erhöhten Blutdruck? Gibt es familiäre Veranlagungen?
Es gibt Familien, in denen eine Reihe von näheren und ferneren Verwandten einen erhöhten Blutdruck aufweisen. Dies kann zum Beispiel für Sie ein Hinweis sein, dass auch bei Ihnen Erbanlagen vorliegen könnten, die besonders leicht in einer Erhöhung des Blutdrucks resultieren. In diesem Fall ist eine regelmäßige Überprüfung der Blutdruckwerte empfehlenswert.
Aber nicht nur eine familiäre Veranlagung kann zu einem erhöhten Blutdruck und den damit verbundenen Folgeschäden führen. Viele weitere Faktoren können dabei ein Rolle spielen:
- Fehlernährung
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- eine erhöhte Aufnahme von Kochsalz
- andauernde psychische Belastungen bzw. Stress
- hormonelle Ursachen, wie z.B. während der Menopause
Gibt es unterschiedliche Formen des Bluthochdrucks?
Prinzipiell unterscheidet man beim Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) zwischen der primären oder auch sogenannten essentiellen Hypertonie, und der sekundären Hypertonie.
Primäre oder essentielle Hypertonie
Bei durchschnittlich mehr als 90 % der Hochdruckpatienten liegt für den erhöhten Blutdruck keine erkennbare Ursache bzw. Grunderkrankung vor, durch die der Bluthochdruck zu erklären wäre. Man spricht deshalb in diesen Fällen von einer primären bzw. "essentiellen" Hypertonie.
Sekundäre Hypertonie
In bis zu 10 % aller Fälle einer Bluthochdruckerkrankung ist der erhöhte Blutdruck durch eine vorliegende andere Grunderkrankung des Patienten zu erklären. Man spricht in solchen Fällen von einer sogenannten "sekundären Hypertonie". Verschieden Erkrankungen der Organe, die einen erhöhten Blutdruck verursachen können sind zum Beispiel:
- verschiedene Erkrankungen der Niere (z. B. Verengung der Nierengefäße, Nierenfunktionsstörungen)
- Störungen im hormonellen System (Erkrankungen der Nebenniere, der Schilddrüse u. a.)
- Fehlbildungen der Körperhauptschlagader (Aorta).
Was macht den erhöhten Bluthochdruck so gefährlich?
Bei einem erhöhten Blutdruck im Gefäßsystem, muss das Herz bei jedem Schlag gegen einen erhöhten Widerstand ankämpfen und somit mehr Arbeit verrichten. Diese dauernde erhöhte Belastung für das Herz führt zu verschiedenen Veränderungen am Herzmuskel selbst. Wie bei allen anderen Muskeln kommt es zunächst durch die andauernde Mehrbelastung zu einer Verdickung des Herzmuskels und damit zu einer Verdickung der Herzwand. Ab einer bestimmten Dicke der Herzwand kann jedoch eine ausreichende Versorgung des Muskels mit Blutgefäßen nicht mehr aufrechterhalten werden. Dies resultiert in einer Minderversorgung mit Nährstoffen und v. a. mit Sauerstoff der einzelnen Herzmuskelzellen, was in einer Umwandlung von Muskelgewebe in Bindegewebe resultiert. In einer späteren Phase kommt es schließlich zu einer für den Patienten ungünstigen Erweiterung bzw. Erschlaffung des Herzens. Letztere geht schließlich mit einer Herzschwäche (sog. Herzinsuffizienz) einher oder was sich im schlimmsten Fall als Herz-versagen äußern.
Die gesteigerte Belastung der Blutgefäße durch den andauernd erhöhten Blutdruck führt zu Funktionseinschränkungen, Verhärtungen und Verengungen der Gefäße, die z. T. auch als Arteriosklerose bezeichnet werden. Betroffen sind davon alle Gefäße, wie z. B. im Gehirn, am Herzen, zu und in den Nieren, sowie die Augengefäße.
Die beschriebenen Veränderungen können schließlich zu einer relevanten Einschränkung der Organdurchblutung führen. Der Organismus reagiert darauf mit einer weiteren Steigerung des Blutdrucks, um dadurch die Durchblutung der Organe möglichst weiter aufrecht zu erhalten. Die Bluthochdruckerkrankung verschlechtert sich somit weiter, was in einer weiter gesteigerten Belastung des Herz-Kreislaufsystems resultiert.
Welche Folgen hat ein erhöhter Bluthochdruck?
Ein dauerhaft erhöhter Bluthochdruck hat Folgen:
- er führt zu Veränderungen der Blutgefäße im Sinne von Verhärtungen und Verengungen
- diese resultieren in einer weiteren Erhöhung des Blutdrucks
- ein dauerhaft erhöhter Blutdruck verkürzt die Lebenserwartung.
Was bei Vorliegen eines erhöhten Blutdrucks beachtet werden?
Folgende Maßnahmen sollten von Bluthochdruckpatienten generell beachtet werden:
- regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks und des Blutzuckers
- Normalisierung des Körpergewichtes
- vermehrt Obst und Gemüse essen
- Bevorzugung pflanzlicher Fette und hochwertiger Speiseöle
- weniger Kochsalz verwenden
- für ausreichende Ruhepausen und Entspannung sorgen
- ausreichende körperliche Bewegung
- Alkoholgenuss reduzieren
- Rauchen aufgeben
- Empfehlungen des behandelnden Arztes beachten